Pressemitteilung Nr. 268 / 17. Dezember 2002 AB

Zwei neue Sonderforschungsbereiche belegen die exzellente Forschungsqualität an der Universität Bremen

Die Bewilligung von zwei weiteren Sonderforschungsbereichen (SFBs) durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist ein riesiger Erfolg für die Universität Bremen. Im Bereich Informatik und Kognitionswissenschaft ist der transregionale Sonderforschungsbereich TR8 "Raumkognition: Schließen - Handeln - Interagieren" angesiedelt, der in Kooperation mit der Universität Freiburg durchgeführt wird. Der bundesweit einzige SFB mit einem politikwissenschaftlichen Schwerpunkt wird in Bremen mit dem SFB 597 "Staatlichkeit im Wandel" eingerichtet. Die DFG hat der Einrichtung von bundesweit insgesamt 13 neuen SFBs zum 1. Januar 2003 zugestimmt, zwei davon gehen an die Universität Bremen. Damit verfügt die Universität über insgesamt sechs laufende SFBs und das von der DFG bewilligte Forschungszentrum "Ozeanränder" im Fachbereich Geowissenschaften. Von den bereits eingerichteten SFBs sind drei in der Produktionstechnik angesiedelt, ein SFB zum Thema "Neurokognition" wird in Kooperation mit der Universität Oldenburg bearbeitet.

Transregionaler Sonderforschungsbereich TR8: Raumkognition: Schließen - Handeln - Interagieren

Wie finden wir den Weg zu Freunden oder zu einem uns noch unbekannten Ort? Wie begreifen wir bekannte und unbekannte Umgebungen und warum können wir das Layout von Gebäuden und Städten erlernen? Wie nehmen wir Objekte und ihre Position im Raum wahr? Warum können wir diese Objekte ergreifen und ihre Lage manipulieren? Und warum können wir uns räumliche Konfigurationen vorstellen, ohne sie je zuvor gesehen zu haben und dies sogar nutzen, um komplexeste technische Probleme zu lösen, Gebäude zu planen und Kunstwerke zu schaffen?

Es gibt bereits viele wissenschaftliche Erkenntnisse, die helfen diese Fragen zu beantworten. So ist beispielsweise vieles darüber bekannt, wie Menschen (und Tiere) über räumliche Gegebenheiten schließen, wie sie durch bekannte und neue Umgebungen navigieren, wie sie innerhalb räumlicher Umgebungen agieren, wie sie mit Raum interagieren und wie sie über Raum kommunizieren. Eine der großen wissenschaftlichen Herausforderungen ist es, dieses Wissen zu nutzen, um technische Systeme zu entwickeln, die Menschen in ihren räumlichen Fähigkeiten unterstützen. Für Forscherinnen und Forscher im Bereich der Raumkognition ist deshalb die Menschenzentrierung ein wesentliches Merkmal ihrer Forschung. Menschenzentrierung bedeutet zum einen, dass sich die Entwicklung technischer Systeme am menschlichen Vorbild orientiert (und so auch weitere Erkenntnisse über menschliche räumlichen Intelligenz bietet) und zweitens: Systeme zu entwickeln, die sinnvolle Ergänzungen bieten, zu dem, was Menschen an räumlichen Leistungen erbringen können.

Am SFB/TR8 (TR steht für transregional) "Raumkognition" sind die Universitäten Bremen und Freiburg beteiligt. Projektleiter sind unter anderem die Professoren Christian Freksa, Bernd Krieg-Brückner und John Bateman von der Universität Bremen sowie Bernhard Nebel, Wolfram Burgard und Markus Knauff von der Universität Freiburg. Die Durchführung von insgesamt elf Forschungsprojekten in den Fachgebieten Künstliche Intelligenz, Kognitive Psychologie, Kognitive Robotik, Computerlinguistik und Formale Systeme setzt ein hohes Maß an interdisziplinärer Zusammenarbeit über die Städtegrenzen von Bremen und Freiburg hinweg voraus. Diese Zusammenarbeit hat sich bereits in den vergangenen Jahren im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projektes "Spacenet", des von der DFG geförderten Schwerpunktprogramms "Raumkognition" und des vom Deutschen Akademischen Austauschdienst geförderten Internationalen Qualitätsnetzes "Spatial Cognition Research Center" bewährt. Der SFB/TR8 ist somit in ein aktives und wachsendes internationales Forschungs-Netzwerk integriert.

Die von der DFG bewilligten Mittel betragen rund 5,5 Millionen Euro. Neben Mitteln für die technische Ausstattung steht auch die Finanzierung für insgesamt 20 Jungwissenschaftler für die ersten vier Jahre des auf zwölf Jahre angelegten Forschungsprogramms bereit. Darüber hinaus werden ca. 45 Studierende beschäftigt, die sich im Bereich Raumkognition spezialisieren wollen.

Kontakt:

Prof. Christian Freksa, Ph.D. (Sprecher)
Tel. +49-421-218-8621
Dr. Thomas Barkowsky (Wiss. Manager)
Tel. +49-421-218-8625
Weitere Informationen auch im Internet unter
www.cosy.informatik.uni-bremen.de/sfb

Sonderforschungsbereich 597: Staatlichkeit im Wandel

Keine andere Institution bestimmt die Lebenschancen in modernen Gesellschaften wie der Staat: Er regelt den Arbeitsmarkt, steuert die Wirtschaft, bekämpft die Kriminalität, sorgt für Bildung und Gesundheit, regelt den Straßenverkehr, gibt der Demokratie einen Rahmen, besitzt Unternehmen, führt Kriege, schafft Rechtssicherheit, verletzt und schützt die Menschenrechte, unterstützt die soziale Wohlfahrt, erhebt Steuern und verteilt bis zu 50 Prozent des Bruttosozialproduktes. Kurzum: er regelt weite Bereiche des täglichen Lebens bis ins Detail. Obwohl seine umfangreichen Kompetenzen und Ressourcen bekanntermaßen nicht immer zum Wohle der Bürger eingesetzt werden, so bleiben doch die Bereitstellung der Grundwerte Frieden, Rechtssicherheit, politische Selbstbestimmung und soziale Sicherung die zentralen Aufgaben des Staates. Der Staat als nationale Organisationsform wird aber zunehmend durch zwei parallele Entwicklungen in Frage gestellt: die Globalisierung und die Privatisierung. Die Auswirkungen weltweit agierender Wirtschaftsmächte, globale Umweltprobleme oder die Konflikte infolge des Aufeinandertreffens unterschiedlicher Kulturen und Wertesysteme scheinen durch nationale Politiken nicht mehr zu bewältigen zu sein.

Als Folge davon werden internationale Institutionen und Organisationen wie die Europäische Union, die World Trade Organisation und auch internationale Schiedsgerichte immer bedeutsamer. Gleichzeitig werden Kompetenzen in die Gesellschaft hinein zurückverlagert, da sich die staatliche Steuerung als stark ineffizient erweist. Vielerorts wird sogar der Rückzug des Wohlfahrtsstaates zugunsten der privaten Vorsorge befürchtet. Diese Veränderungen unterminieren das bisherige Selbstverständnis eines national ausgerichteten Staatsmodells. Ziel des neuen SFB 597 ist es, diese gegenwärtigen weltweiten Wandlungsprozesse moderner Staatlichkeit systematisch zu erfassen. Es soll untersucht werden, ob es einen allgemeinen oder gar für alle Staaten geltenden Veränderungstrend gibt, woher der entsprechende Veränderungsdruck gegebenenfalls stammt und wie sich diese Veränderungsprozesse auswirken. Im Ergebnis versprechen sich die Forscherinnen und Forscher Kenntnisse darüber, wie und warum sich der Staat verändert und welche Auswirkungen dies für die Lebenschancen der Menschen hat. Praktisch können die Ergebnisse genutzt werden, um die institutionelle Neugestaltung des Regierens anzustoßen. Welche institutionellen Reformen sind notwendig, um Frieden, Rechtssicherheit, Demokratie und soziale Wohlfahrt weltweit auch in einer postnationalen Konstellation realisieren zu können?

In diesem SFB, dessen Sprecher Prof. Dr. Michael Zürn von der Universität Bremen ist, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in insgesamt 15 Einzelprojekte (12 an der Universität Bremen, 2 an der International University Bremen, 1 an der Hochschule Bremen). Für den Forschungsstandort Bremen bedeutet die Einrichtung des SFB einen erheblichen Impuls für die Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Es handelt sich um den ersten und einzigen SFB in Deutschland mit einem politikwissenschaftlichen Schwerpunkt. Damit wird die hervorragende Forschungsqualität der Bremer Politikwissenschaft eindrucksvoll unterstrichen. Insgesamt werden an der Universität Bremen, der International University und der Hochschule Bremen etwa 40 neue wissenschaftliche Stellen geschaffen, ein Großteil davon soll mit jungen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen besetzt werden, die die Möglichkeit erhalten, im Rahmen der jeweiligen Forschungsvorhaben zu promovieren. Die durch die DFG für die ersten vier Jahre - insgesamt ist der SFB auf 12 Jahre Laufzeit angelegt - bereitgestellten Mittel betragen sieben Millionen Euro.

Hervorzuheben ist schließlich, dass mit diesem SFB erstmalig eine intensive Forschungskooperation zwischen allen drei großen Bremer Hochschulen (Universität, Hochschule und Internationale Universität) stattfindet, eine Integrationsleistung, die nachdrücklich auf die neuen Kooperationschancen der gegenwärtigen Universitätskonstellation im Land Bremen verweist. Kontakt:

Prof. Dr. Michael Zürn
Tel.: 49 421 218-9060/2098
Weitere Informationen auch im Internet unter
www.staatlichkeit.uni-bremen.de